Frage an meine Nachbarin

Bauern Proteste aus der Sicht einer Städterin                                                                                                                     30.04.2020

 

 

 

Ich heiße Tanja, bin 47 Jahre und in Bremerhaven geboren und aufgewachsen. Bis vor kurzem hatte ich von Landwirtschaft keine Ahnung. Aber Dank der Bauernproteste bin ich nicht mehr so ahnungslos und verstehe jetzt vieles besser.

 

Ich habe von Anfang an die Proteste verfolgt und war manchmal glaub ich aufgeregter, wie so mancher Bauer 😊 Wie zum Beispiel Berlin.

 

Ich wurde 2 Tage vorher von unserem Nachbarn, gefragt ob ich mitmöchte. Doch leider klappte das bei mir zeitlich nicht. Also habe ich die Tage über Facebook, WhatsApp etc. verfolgen müssen. Ich fand das Wahnsinn was ihr da auf die Beine gestellt habt. Die ganzen Bilder, die über WhatsApp kamen oder die man vom Morgen bei Facebook gesehen hatte, irre, wenn ich jetzt dran denke, bekomm ich immer noch eine Gänsehaut.

 

Ich weiß noch, nach Feierabend, wollte ich ne Stunde Augenpflege machen, aber mein Fehler war, mir das Video von der Kundgebung anzuschauen.  Schwupp di wupp waren 2,5 Stunden vorbei und aus Augenpflege wurde nix 😉

 

Denn ich war so gefesselt und neugierig über Euren Ansprachen, von dem feigen Abgang der Schulze, von der Ansprache der Klöckner, einfach das ganze hat mich gefesselt. Ich habe mich so geärgert, dass ich nicht mitgefahren bin.

 

Abends hatte ich mir durch Zufall die Bundestagssitzung, die zur selben Zeit stattfand als die Demo, angeschaut.  Ich als zugezogene Dorfbewohnerin habe ja schon nicht viel Ahnung über Landwirtschaft, aber die Klöckner ja noch weniger. Mit fast jedem Satz hat sie sich mit dem was sie draußen auf der Bühne gesagt hatte, widersprochen. Es gab reden von Politikern, die FÜR Euch gesprochen hatten und immer wieder Frau Klöckner direkt ansprachen, doch Frau Klöckner interessierte sich kein bisschen über andere Reden. Sie spielte nur noch mit ihrem Handy und grinste. Vielleicht liege ich falsch, aber meine Einschätzung war/ ist, dass die Bauern ihr egal sind. Ich habe hier mein Konzept und das setze ich ohne Rücksicht auf Verluste durch, alle anderen Meinungen sind mir egal. Ich wurde so sauer über ihr reden, ihr auftreten, ihre Arroganz, dass ich mir nur noch dachte jetzt erst recht Liebe Bauern macht weiter, Ich verstehe euch immer mehr.

 

In den nächsten Tagen habe ich viele Artikel und Videos bei Facebook oder WhatsApp verfolgt und mir vieles erklären lassen und stand immer mehr hinter Euch.

 

Es folgten viele weitere Bauern Proteste und ich fand es gut. Nicht dass ihr das machen müsst, sondern dass ihr ein Zeichen gesetzt habt und euch nichts gefallen lasst.

 

 Als im Dezember die Haupt Verkehrs Straßen abends zu gemacht wurden, stand ich kurz selbst mittendrin. Also Warnblinker an und fleißig Hupen um zu zeigen, dass ich zu euch stehe. Auf dem Weg nach Hause kamen mir 2 Konvoi entgegen und selbst da habe ich die Kolonne mit Warnblinker und Hupe begrüßt. Anschließend sind wir noch zum Lintiger Kreisel und haben uns angeschaut, wie drei Kreisel und die dazwischen liegende Hauptverkehrsstraße komplett lahmgelegt wurden und haben mehrere Videos und Bilder gemacht.

 

Im Januar wart ihr wieder in Hamburg und zeitgleich gab es einen Bauernprotest in Bremerhaven. Da gab es bei Facebook viele Beschwerden der Bremerhavener drüber. Ich habe mir mal die ganzen Kommentare durchgelesen und festgestellt, dass viele keinen Plan haben warum es Bauernproteste gibt.

 

Man konnte allein nur von den Kommentaren raus lesen, wer Stadtmensch ist und wer vom Dorf kommt. Viele haben nicht kapiert worum es geht.

 

Ich dachte mir nur noch, liebe Leute, wenn es keine Bauern mehr geben würde, dann geht doch mal einkaufen und schaut Euch die leeren Regale an. Kein Brot mehr, keine Milchprodukte, keine Nudeln, keine Wurst oder manche Fleischsorten etc. Klar kann man alles importieren, aber ist das zweck der Sache?? Die Bauern sind schon dezimiert. Vor einigen Jahren hatten wir viel viel mehr Bauernhöfe.

 

Und klar sterben Insekten oder werden weniger, aber das liegt nicht nur an den Bauern, sondern auch daran, das viele ihre Ländereien verkaufen müssen, weil sie sonst nicht mehr überleben können oder keine Höfe mehr haben und deswegen Ländereien verkauft haben und auf diesen früher schöne Feldern jetzt Neubausiedlungen oder Firmen entstehen und somit immer mehr Grünflächen zu gebaut werden, selbst in den Städten. Dann ist es doch kein Wunder mehr, das wir immer weniger Insekten haben.

 

Ich kann mich bei uns auf dem Dorf jedenfalls nicht beschweren, bei mir fliegt und kriecht alles Mögliche rum.

 

 

 

Früher habe ich auch fast nur billig eingekauft. Aber heute schaue ich, dass die Kartoffeln aus unserer Region kommen, dass ich nicht mehr das Fleisch kaufe, was Eingeschweißt in den Kühltheken liegt, sondern von der Fleischtheke (leider gibt es ja kaum noch kleine Schlachter, wo man kaufen könnte)

 

und unserer Eier bekomme ich alle 2 Wochen von einem Bauernhof.

 

 

 

Liebe Bauern, ich habe viel aus Euren Demos gelernt und unser Nachbar hat mir das ein oder andere erklärt.

 

Ich hoffe Ihr habt Erfolg und bleibt uns erhalten.

 

Macht weiter so, ich stehe hinter Euch

 

 

 

Liebe Grüße

 

Von einer nicht mehr ganz so Ahnungslosen ehemaligen Städterin

 

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